Todesfall im Landkreis Unterallgäu
Ende April 2026 teilte das Gesundheitsamt am Landratsamt Unterallgäu mit, dass sich ein Mensch aus dem Raum Bad Wörishofen mit dem Borna-Virus infiziert hatte. Die betroffene Person ist an den Folgen der Infektion verstorben. Infektionen mit BoDV-1 sind nach Angaben der Behörde außerordentlich selten, verlaufen jedoch in nahezu allen bekannten Fällen lebensbedrohlich.
Bestätigter Fall in Augsburg
Am 7. Mai 2026 informierte die Stadt Augsburg über einen weiteren bestätigten Fall im Stadtgebiet. Auch hier handelt es sich um eine Infektion mit dem Borna Disease Virus 1, die nach Angaben des städtischen Gesundheitsamts ebenfalls tödlich verlief. Das Virus könne durch Feldspitzmäuse auf den Menschen übertragen werden, hieß es in der Mitteilung der Stadt.
Übertragung durch die Feldspitzmaus
Als wichtigstes Reservoir für BoDV-1 gilt die Feldspitzmaus (Crocidura leucodon). Sie scheidet das Virus über Urin, Kot und Speichel aus. Wie genau das Virus auf den Menschen übergeht, ist bislang nicht abschließend geklärt – Fachleute gehen aber davon aus, dass Kontakt mit kontaminiertem Material (z. B. beim Reinigen befallener Schuppen, Ställe oder Keller) eine zentrale Rolle spielt. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch wurde bislang nicht beobachtet.
Symptome und Krankheitsverlauf
Eine BoDV-1-Infektion beginnt zunächst unspezifisch mit Fieber, Kopfschmerzen und allgemeinem Krankheitsgefühl. Innerhalb weniger Tage entwickeln sich schwere neurologische Symptome: Verwirrtheit, Sprach- und Gangstörungen, Wesensveränderungen, Lähmungen und Krampfanfälle. Es kommt zu einer schweren Gehirnentzündung (Enzephalitis), die in der Regel binnen Wochen zum Koma und Tod führt. Die Sterblichkeit liegt nach derzeitigem Kenntnisstand bei über 90 %.
Risikogebiete in Deutschland
Endemiegebiete für BoDV-1 liegen nach Daten des Robert Koch-Instituts vor allem in Bayern, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen sowie Teilen Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns. Auch angrenzende Regionen in Österreich, der Schweiz und Liechtenstein gelten als Risikogebiete. Seit 2020 besteht in Deutschland eine Meldepflicht nach § 7 Infektionsschutzgesetz. Die jährliche Fallzahl bewegt sich im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Bereich.
Schutzmaßnahmen: Empfehlungen des RKI
Das Robert Koch-Institut empfiehlt insbesondere für Bewohnerinnen und Bewohner in Endemiegebieten folgende Vorsichtsmaßnahmen:
- Direkten Kontakt mit lebenden oder toten Spitzmäusen sowie deren Ausscheidungen vermeiden.
- Mäusenester, Kot und Kadaver nur mit Einmalhandschuhen und FFP2-Maske entfernen.
- Befallene Bereiche vor der Reinigung anfeuchten, um Staubaufwirbelung zu vermeiden.
- Keller, Schuppen, Garagen und Ställe regelmäßig kontrollieren und Mäusen den Zugang erschweren.
- Hauskatzen sollten verendete Spitzmäuse nicht ins Haus tragen dürfen; Funde mit Werkzeug entsorgen.
Was die Apotheke rät
Auch wenn das Borna-Virus selten ist, sollten Menschen in den bekannten Endemiegebieten mit unklaren neurologischen Symptomen wie zunehmender Verwirrtheit, Sprachstörungen oder Krampfanfällen frühzeitig ärztlich abgeklärt werden – insbesondere, wenn in den Wochen zuvor Kontakt mit Spitzmäusen oder deren Ausscheidungen möglich war. Eine spezifische antivirale Therapie steht derzeit nicht zur Verfügung; die Behandlung erfolgt symptomatisch auf der Intensivstation.
Hinweis: Dieser Beitrag fasst den öffentlich berichteten Stand vom 8. Mai 2026 zusammen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Infektion oder unklaren neurologischen Symptomen wenden Sie sich umgehend an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt bzw. an die nächste Klinik.