WHO ruft internationale Gesundheitsnotlage aus
Am 17. Mai 2026 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo zur „Public Health Emergency of International Concern" (PHEIC) erklärt. Es ist die höchste Alarmstufe, die das internationale Gesundheitsrecht vorsieht. Auslöser ist der Nachweis des Bundibugyo-Ebolavirus, das sich von einem ländlichen Herd zunehmend in dichter besiedelte Regionen ausbreitet und bereits in das benachbarte Uganda übergegangen ist.
Die WHO warnt insgesamt zehn afrikanische Staaten vor einer möglichen Ausbreitung und unterstützt Kongo und Uganda mit Schnelleinsatzteams, Schutzmaterial und Laborkapazitäten. Parallel wird mit Hochdruck an einer Notfallzulassung von Impfstoffkandidaten gegen den Bundibugyo-Stamm gearbeitet, da derzeit kein zugelassenes Vakzin existiert.
Aktuelle Fallzahlen und Todesopfer
Nach Angaben des kongolesischen Gesundheitsministers Samuel Roger Kamba lagen Mitte Mai 2026 bereits 513 Verdachtsfälle und 131 mutmaßliche Todesfälle vor. Die Zahlen werden derzeit durch Labortests bestätigt. Besonders betroffen sind ländliche Gemeinden in den Provinzen Tshopo und Ituri, in denen Gesundheitsversorgung und Diagnostik nur eingeschränkt verfügbar sind.
Ein US-amerikanischer Helfer, der sich nachweislich infiziert hatte, soll Berichten zufolge in einer deutschen Spezialklinik für hochkontagiöse Erkrankungen behandelt werden. Eine Ausbreitung in Europa wird vom Europäischen Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) weiterhin als sehr unwahrscheinlich eingestuft.
Was ist das Ebolavirus?
Das Ebolavirus gehört zur Familie der Filoviren und wurde erstmals 1976 nahe dem gleichnamigen Fluss im damaligen Zaire (heute DR Kongo) beschrieben. Es handelt sich um ein behülltes RNA-Virus mit charakteristisch fadenförmiger Struktur. Beim Menschen löst es das Ebolafieber aus – eine schwere virale hämorrhagische Erkrankung, die je nach Stamm Sterblichkeitsraten zwischen 25 und 90 Prozent erreichen kann.
Bekannt sind sechs Ebolavirus-Spezies: Zaire (ZEBOV), Sudan (SUDV), Bundibugyo (BDBV), Taï Forest (TAFV), Reston (RESTV) und Bombali (BOMV). Nur die ersten vier verursachen beim Menschen Erkrankungen. Das natürliche Reservoir wird in bestimmten Flughund-Arten vermutet, die das Virus übertragen, ohne selbst zu erkranken.
Bundibugyo-Stamm: Was ist anders?
Das Bundibugyo-Ebolavirus wurde 2007 erstmals im gleichnamigen Distrikt im Westen Ugandas isoliert. Es ist genetisch näher mit dem Taï-Forest-Virus verwandt als mit dem Zaire-Stamm und gilt als etwas weniger letal: Beim Erstausbruch lag die Sterblichkeit bei rund 25 bis 40 Prozent, gegenüber bis zu 90 Prozent beim Zaire-Stamm. Entscheidend ist jedoch, dass die gegen Zaire-Ebola zugelassenen Impfstoffe (Ervebo, Zabdeno/Mvabea) und Antikörpertherapien (Inmazeb, Ebanga) gegen Bundibugyo nicht erprobt und nicht zugelassen sind. Das macht den aktuellen Ausbruch trotz der geringeren Letalität zu einer ernsten Bedrohung.
Übertragung, Symptome und Verlauf
Eine Infektion mit Ebola erfolgt über direkten Kontakt mit Blut, Körperflüssigkeiten, Sekreten oder Geweben erkrankter oder verstorbener Personen sowie über kontaminierte Gegenstände. Besonders gefährdet sind Familienangehörige, Pflegekräfte und Personen, die traditionelle Bestattungsrituale durchführen. Eine Übertragung über die Luft spielt keine relevante Rolle.
Nach einer Inkubationszeit von 2 bis 21 Tagen beginnt die Erkrankung mit hohem Fieber, Schwäche, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Halsschmerzen. Es folgen Erbrechen, Durchfall, Hautausschlag, Leber- und Nierenfunktionsstörungen. In schweren Verläufen kommt es zu inneren und äußeren Blutungen, Schock und Multiorganversagen. Überlebende leiden häufig noch monatelang unter Folgesymptomen wie Gelenkschmerzen, Sehstörungen und Erschöpfung – das sogenannte Post-Ebola-Syndrom.
Behandlung und Schutzmaßnahmen
Eine spezifische antivirale Therapie gegen das Bundibugyo-Virus steht nicht zur Verfügung. Die Behandlung ist daher symptomatisch und konzentriert sich auf den Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten, die Stabilisierung des Kreislaufs sowie die Behandlung von Begleitinfektionen. Eine frühe Aufnahme in eine spezialisierte Behandlungseinheit verbessert die Überlebenschance deutlich.
Wichtigste Schutzmaßnahmen sind Hygiene, das Vermeiden direkten Körperkontakts mit Erkrankten oder Verstorbenen ohne Schutzkleidung sowie sichere Bestattungspraktiken. Reisende in betroffene Regionen sollten engen Kontakt zu erkrankten Personen, Wildtieren (insbesondere Flughunden und Primaten) sowie rohem oder unzureichend erhitztem Wildfleisch vermeiden.
Hinweis: Dieser Beitrag fasst den öffentlich berichteten Stand vom 20. Mai 2026 zusammen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Ebola-Infektion nach Reisen in betroffene Regionen wenden Sie sich umgehend telefonisch an Ihre Hausärztin, Ihren Hausarzt oder das zuständige Gesundheitsamt.