29 Passagiere verließen das Schiff bereits auf St. Helena
Nach Angaben des niederländischen Reiseunternehmens Oceanwide Expeditions verließen am 24. April 2026 insgesamt 29 Gäste die „Hondius" beim Stopp auf der Südatlantikinsel St. Helena – noch bevor der erste Hantavirus-Fall an Bord offiziell bestätigt wurde. Dieser wurde laut Unternehmen am 4. Mai gemeldet. Alle ausgestiegenen Passagiere seien inzwischen kontaktiert worden.
Unter den auf St. Helena ausgestiegenen Reisenden befand sich nach Angaben der niederländischen Behörden auch ein Schweizer, der inzwischen Symptome entwickelt habe und positiv auf das Virus getestet worden sei.
Todesfälle und KLM-Flugbegleiterin in Klinik
Bekannt ist bereits, dass die Ehefrau eines niederländischen Passagiers auf St. Helena an Land ging, nachdem ihr Mann mutmaßlich infolge einer Hantavirus-Infektion gestorben war. Die Frau und die Leiche des Mannes wurden anschließend nach Südafrika geflogen. Auf dem Flughafen in Johannesburg brach die Frau zusammen und verstarb kurz darauf ebenfalls.
In Amsterdam wurde eine KLM-Flugbegleiterin in ein Krankenhaus eingeliefert, die in Johannesburg Kontakt zur Ehefrau des Verstorbenen hatte. Die niederländischen Behörden haben Kontakt zu allen Passagieren der betroffenen KLM-Maschine aufgenommen; sie werden regelmäßig kontrolliert.
Deutsche Kontaktperson am Uniklinikum Düsseldorf
Drei Personen, die sich an Bord möglicherweise angesteckt haben, wurden vom Schiff geholt. Dazu zählt eine 65 Jahre alte Frau aus Deutschland. Sie wurde ins Universitätsklinikum Düsseldorf gebracht. Vonseiten der Klinik hieß es, es handele sich um „eine Kontaktperson ohne Symptome". Der Nachweis, ob eine Infektion vorliegt, kann bis zu drei Tage dauern.
Eine zweite Person wurde in das Universitätsklinikum Leiden nahe Amsterdam gebracht, eine dritte mutmaßlich infizierte Person ebenfalls per Flug nach Amsterdam überführt.
Untersuchung aller Passagiere in Teneriffa geplant
Die „Hondius" befindet sich auf dem Weg nach Teneriffa und soll dort innerhalb der nächsten Tage anlegen, wie Spaniens Gesundheitsministerin Mónica García Gómez mitteilte. Alle Passagiere und Crewmitglieder sollen anschließend untersucht werden. Wenn der Gesundheitszustand es zulässt, könnten sie danach in ihre Heimatländer zurückkehren. Laut Oceanwide Expeditions weist derzeit niemand an Bord Symptome auf.
Ursprung des Ausbruchs unklar
Wie es zu dem Ausbruch an Bord kam, ist bislang unklar. Das verstorbene niederländische Ehepaar reiste seit Ende November durch mehrere südamerikanische Länder. Argentinische Behörden wollen Experten in jene Regionen entsenden, die das Paar besucht hatte, um eine „mögliche Präsenz des Virus" zu untersuchen.
Hintergrund: Was sind Hantaviren?
Hantaviren sind RNA-Viren, die hauptsächlich von Nagetieren übertragen werden. In Europa stehen vor allem Puumala- und Dobrava-Belgrad-Viren mit dem hämorrhagischen Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) in Verbindung. In Nord- und Südamerika können Hantaviren wie das Andes-Virus das hantavirale pulmonale Syndrom (HPS) auslösen, das mit hoher Sterblichkeit einhergeht. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung gilt als Ausnahme – ist beim Andes-Virus jedoch dokumentiert.
Hinweis: Dieser Beitrag fasst den öffentlich berichteten Stand vom 7. Mai 2026 zusammen und ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Verdacht auf eine Hantavirus-Infektion wenden Sie sich umgehend an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt.