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Diffuser Haarausfall zählt zu den häufigsten und belastendsten Symptomen eines Eisenmangels. Studien zeigen: Bereits bei niedrigen Ferritinwerten – lange bevor eine Anämie entsteht – kann das Haarwachstum beeinträchtigt sein. Erfahren Sie, warum Eisen für Ihre Haare so wichtig ist und welche Lösungen die Wissenschaft empfiehlt.
Die Haarfollikel gehören zu den metabolisch aktivsten Zellen des Körpers. Sie teilen sich alle 23 bis 72 Stunden – schneller als die meisten anderen Zellen. Für diesen intensiven Zellteilungsprozess benötigen sie eine konstante Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen, insbesondere Eisen.
Eisen ist ein essenzieller Cofaktor der Ribonukleotidreduktase, einem Enzym, das für die DNA-Synthese und damit für die Zellteilung unverzichtbar ist. Sinkt der Eisenspiegel, kann die Versorgung der Haarmatrixzellen beeinträchtigt werden. Der Körper priorisiert lebenswichtige Funktionen wie die Blutbildung – die Haare werden als „nicht lebensnotwendig" zurückgestellt.
Wussten Sie?
Ein gesunder Mensch verliert täglich 50–100 Haare. Bei Eisenmangel kann sich dieser Wert auf 200–300 Haare pro Tag erhöhen – ein Zustand, der als Telogen-Effluvium bezeichnet wird. Dabei treten übermäßig viele Haarfollikel gleichzeitig in die Ruhephase ein.
Ferritin sinkt unter 40 µg/l. Noch keine Anämie, aber erste Veränderungen an den Haarfollikeln: dünnere Haarstruktur, verlangsamtes Wachstum, vermehrtes Ausfallen in der Telogenphase.
Die Transferrinsättigung fällt unter 20 %. Der Sauerstofftransport zu den Haarwurzeln kann eingeschränkt werden. Diffuser Haarausfall kann sichtbar werden, besonders am Scheitelbereich.
Hämoglobin unter 12 g/dl (Frauen). Der Haarausfall kann massiv werden, begleitet von weiteren Symptomen wie Müdigkeit, Blässe und Konzentrationsstörungen.
Der Zusammenhang zwischen Eisenmangel und Haarausfall ist in zahlreichen Studien untersucht worden. Besonders der Ferritinwert – der wichtigste Marker für die Eisenspeicher – kann eine Schlüsselrolle spielen.
Eine Studie des Cleveland Clinic Journal of Medicine untersuchte den Zusammenhang zwischen Serum-Ferritin und verschiedenen Formen des Haarausfalls bei Frauen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein Ferritinwert unter 40 µg/l mit verstärktem Haarausfall assoziiert sein kann – ein Wert, der weit über der Anämie-Grenze liegt.
PubMed: PMID 17128540Forscher der University of Pennsylvania analysierten Ferritinspiegel bei Frauen mit verschiedenen Formen von Alopezie. Bei Patientinnen mit Telogen-Effluvium und androgenetischer Alopezie lagen die Ferritinwerte signifikant niedriger als bei der Kontrollgruppe. Die Autoren empfehlen, Ferritin bei Haarausfall grundsätzlich zu bestimmen.
PubMed: PMID 12190640In einer koreanischen Studie mit über 200 Patientinnen wurde gezeigt, dass Frauen mit diffusem Haarausfall signifikant niedrigere Ferritinwerte aufwiesen. Die Forscher schlugen einen Ferritin-Zielwert von mindestens 40–70 µg/l vor, um das Haarwachstum zu unterstützen.
PubMed: PMID 23772161Während die meisten Labore einen Ferritinwert ab 15 µg/l als „normal" bewerten, empfehlen Dermatologen und Trichologien bei Haarausfall einen deutlich höheren Zielwert:
≥ 70 µg/l
Empfohlener Ferritin-Zielwert für
optimales Haarwachstum
Klassische Eisenpräparate wie Eisen(II)-sulfat können zwar den Ferritinwert anheben, verursachen jedoch häufig gastrointestinale Nebenwirkungen wie Übelkeit, Verstopfung und Bauchkrämpfe. Viele Betroffene brechen die Einnahme daher vorzeitig ab – bevor der Ferritinwert ausreichend gestiegen ist, um das Haarwachstum zu unterstützen.
Lactoferrin – ein natürliches Glykoprotein aus Kuhmilch – bietet hier einen alternativen Ansatz. Es kann die Eisenaufnahme über einen körpereigenen Rezeptormechanismus regulieren und dabei entzündungshemmende Eigenschaften entfalten. Studien deuten darauf hin, dass Lactoferrin den Ferritinspiegel effektiver anheben kann als Eisensulfat – bei deutlich besserer Verträglichkeit.
Lactoferrin kann Eisen über spezifische Rezeptoren (LfR) an der Darmschleimhaut transportieren – ohne freies Eisen im Darm freizusetzen.
Chronische Entzündungen können die Eisenaufnahme blockieren (über Hepcidin). Lactoferrin kann Interleukin-6 senken und so die Eisenregulation unterstützen.
Studien berichten von signifikant weniger Magen-Darm-Beschwerden im Vergleich zu Eisensulfat – wichtig für die langfristige Einnahme bis Ferritin ≥ 70 µg/l.
Anders als freies Eisen kann Lactoferrin das Wachstum pathogener Darmbakterien hemmen, statt es zu fördern.
Studienergebnis: Paesano et al. (2010)
In einer randomisierten Studie mit schwangeren Frauen konnte Lactoferrin (100 mg, 2× täglich) den Ferritinwert signifikant stärker anheben als Eisensulfat (520 mg/Tag) – bei gleichzeitig niedrigeren Entzündungswerten (IL-6) und besserer Verträglichkeit.
Bestehen Sie auf eine Ferritin-Bestimmung – nicht nur Hämoglobin. Ein Ferritin unter 40 µg/l kann bereits mit Haarausfall assoziiert sein, auch wenn keine Anämie vorliegt.
Rotes Fleisch, Hülsenfrüchte, Spinat und Kürbiskerne sind gute Eisenquellen. Vitamin C kann die Aufnahme von pflanzlichem Eisen verbessern. Kaffee und Tee können die Aufnahme hemmen.
Bei nachgewiesenem Eisenmangel kann eine Supplementierung mit Lactoferrin eine gut verträgliche Option sein, um den Ferritinwert gezielt anzuheben – ohne typische Nebenwirkungen von Eisensulfat.
Haarfollikel brauchen Zeit. Erst wenn der Ferritinwert über Wochen stabil auf ≥ 70 µg/l angehoben wurde, kann mit sichtbarem Nachwachsen gerechnet werden – in der Regel nach 3–6 Monaten.
Alle verlinkten Studien sind auf PubMed frei zugänglich. Die dargestellten Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung.