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    Vegetarisch & Vegan: Eisenmangel vermeiden – trotz pflanzlicher Ernährung

    Pflanzliche Ernährung liegt im Trend – doch sie kann den Eisenhaushalt vor besondere Herausforderungen stellen. Pflanzliches Eisen (Nicht-Häm-Eisen) wird deutlich schlechter aufgenommen als tierisches Häm-Eisen. Erfahren Sie, wie Sie Ihren Eisenbedarf auch ohne Fleisch decken können und wann eine Supplementierung sinnvoll sein kann.

    20. März 2026
    ·9 Min. Lesezeit

    Warum pflanzliche Ernährung den Eisenhaushalt belasten kann

    Eisen kommt in der Nahrung in zwei Formen vor: als Häm-Eisen (in tierischen Produkten) und als Nicht-Häm-Eisen (in pflanzlichen Lebensmitteln). Der entscheidende Unterschied liegt in der Bioverfügbarkeit – also darin, wie viel Eisen der Körper tatsächlich aufnehmen kann.

    Eigenschaft Häm-Eisen (tierisch) Nicht-Häm-Eisen (pflanzlich)
    Bioverfügbarkeit 15–35 % 2–20 %
    Absorptionshemmer Kaum beeinflusst Stark beeinflusst
    Vorkommen Fleisch, Fisch, Geflügel Hülsenfrüchte, Getreide, Gemüse
    Anteil in veganer Ernährung 0 % 100 %

    Das bedeutet: Auch wenn Veganer auf dem Papier genug Eisen zu sich nehmen, kann die tatsächliche Aufnahme deutlich geringer sein. Die DGE empfiehlt daher für Vegetarier und Veganer eine um den Faktor 1,8 erhöhte Eisenzufuhr – also bis zu 27 mg/Tag statt 15 mg für Frauen.

    Studienlage

    Eine Metaanalyse von Haider et al. (2018) im American Journal of Clinical Nutrition zeigte, dass Vegetarier und Veganer signifikant niedrigere Ferritinwerte aufweisen als Mischköstler – im Durchschnitt 30–40 % niedriger. Besonders betroffen: prämenopausale Frauen mit veganer Ernährung.

    Absorptionshemmer & Absorptionsbooster: Was die Eisenaufnahme beeinflusst

    Bei pflanzlichem Eisen ist nicht nur die Menge entscheidend, sondern vor allem, was Sie dazu essen. Bestimmte Stoffe können die Eisenaufnahme drastisch hemmen – oder vervielfachen.

    ❌ Absorptionshemmer – diese Stoffe können die Eisenaufnahme blockieren

    Phytate (Phytinsäure)

    In Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen. Können die Eisenaufnahme um bis zu 50–65 % reduzieren. Tipp: Einweichen, Keimen oder Fermentieren kann den Phytatgehalt deutlich senken.

    Polyphenole & Tannine

    In Kaffee, schwarzem/grünem Tee, Rotwein und Kakao. Eine Tasse Kaffee zur Mahlzeit kann die Eisenaufnahme um bis zu 60 % senken. Besser: 1–2 Stunden Abstand zur eisenreichen Mahlzeit.

    Kalzium

    In Milchprodukten und kalziumreichen Pflanzendrinks. Kalzium kann sowohl Häm- als auch Nicht-Häm-Eisen hemmen. Kalziumreiche Lebensmittel besser als Snack zwischen den Mahlzeiten konsumieren.

    Oxalate

    In Spinat, Mangold, Rhabarber und Amaranth. Obwohl Spinat viel Eisen enthält, ist die Aufnahme durch Oxalsäure stark eingeschränkt. Kochen und Abgießen des Kochwassers kann den Oxalatgehalt reduzieren.

    ✅ Absorptionsbooster – diese Kombinationen können die Aufnahme steigern

    🍊 Vitamin C (Ascorbinsäure)

    Der stärkste natürliche Absorptionsbooster. Vitamin C kann Nicht-Häm-Eisen von der schlecht aufnehmbaren Fe³⁺-Form in die gut aufnehmbare Fe²⁺-Form umwandeln. Schon 50 mg Vitamin C (eine halbe Orange) können die Eisenaufnahme um das 3- bis 6-Fache steigern.

    🧅 Allium-Gewächse

    Knoblauch und Zwiebeln enthalten schwefelhaltige Verbindungen, die die Bioverfügbarkeit von Eisen und Zink aus Getreide verbessern können. Ideal: Knoblauch oder Zwiebeln in Linseneintöpfe und Getreidegerichte integrieren.

    🫕 Fermentation & Einweichen

    Sauerteigbrot, Tempeh, Miso und eingeweichte Hülsenfrüchte haben einen reduzierten Phytatgehalt. Fermentation kann die Eisenbioverfügbarkeit um bis zu 50 % verbessern.

    🍳 Gusseisenpfannen

    Kochen in Gusseisenpfannen kann den Eisengehalt von Speisen tatsächlich erhöhen – besonders bei säurehaltigen Gerichten wie Tomatensauce. Studien zeigen eine Steigerung um bis zu 16 %.

    Top 10: Die besten pflanzlichen Eisenquellen

    Mit der richtigen Auswahl und Kombination können auch Veganer ihren Eisenbedarf weitgehend über die Ernährung decken. Entscheidend ist die Kombination mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln.

    Lebensmittel Portion Eisen Zubereitungstipp
    Kürbiskerne 30 g 2,5 mg Als Topping auf Salat oder Müsli
    Sesam (Tahin) 30 g 2,9 mg In Hummus oder Dressings
    Linsen (gekocht) 200 g 6,6 mg Eintopf mit Paprika (Vitamin C)
    Kichererbsen (gekocht) 200 g 4,8 mg Hummus oder Curry mit Zitrone
    Haferflocken 80 g 3,7 mg Overnight Oats mit Beeren
    Hirse (gekocht) 200 g 4,2 mg Als Beilage oder Hirsebrei
    Tofu (fest) 150 g 4,0 mg Gebraten mit Brokkoli
    Quinoa (gekocht) 200 g 2,8 mg Salat mit Paprika und Petersilie
    Cashewkerne 30 g 1,8 mg Als Snack oder in Soßen
    Getrocknete Aprikosen 50 g 1,8 mg Snack oder im Müsli

    Praxistipp: Der „Eisen-Teller"

    Ein optimaler „Eisen-Teller" für Veganer: Linseneintopf mit Knoblauch und Zwiebeln, dazu Paprikastreifen (Vitamin C) und ein Stück Sauerteigbrot (reduziertes Phytat). Kaffee oder Tee erst 1–2 Stunden nach dem Essen. So kann die Eisenaufnahme aus einer Mahlzeit um ein Vielfaches gesteigert werden.

    Supplementierung: Wann Ernährung allein nicht reicht

    Trotz optimaler Ernährung kann eine Supplementierung sinnvoll sein – insbesondere für vegane Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangere, Stillende oder bei nachgewiesenem Eisenmangel (Ferritin < 30 µg/l).

    Pflanzliches Eisen vs. Natürliches Eisen: Was ist der Unterschied?

    Pflanzliches Eisen

    Aus Pflanzenextrakten gewonnen, z. B. aus Curryblatt (Murraya koenigii). Enthält Nicht-Häm-Eisen in natürlicher Matrix. Verträglicher als Eisensulfat, aber weiterhin abhängig von Absorptionsboostern und -hemmern.

    Geeignet für: leichten Mangel, Prävention

    Lf
    NATÜRLICHES EISEN

    Lactoferrin

    Ein natürliches Glykoprotein aus Kuhmilch, das Eisen über körpereigene Rezeptoren (LfR) transportiert. Kann den Hepcidin-Block umgehen und wirkt entzündungshemmend. Bioverfügbarkeit unabhängig von Nahrungsbestandteilen.

    Geeignet für: moderaten bis schweren Mangel, chronische Entzündungen

    Hinweis: Lactoferrin ist ein Milchprotein und damit nicht vegan. Für strenge Veganer kann pflanzliches Eisen aus Curryblatt-Extrakt eine Alternative darstellen. Bei moderatem bis schwerem Mangel sollte die Entscheidung gemeinsam mit dem Arzt getroffen werden – die Gesundheit sollte Vorrang vor Ernährungsprinzipien haben.

    Mögliche Vorteile von Lactoferrin für Vegetarier

    Unabhängig von Absorptionshemmern

    Lactoferrin wird über eigene Rezeptoren aufgenommen – Phytate, Tannine und Oxalate haben keinen Einfluss auf die Eisenaufnahme.

    Kein zusätzliches Vitamin C nötig

    Während pflanzliches Eisen Vitamin C zur Umwandlung benötigt, kann Lactoferrin Eisen direkt in bioverfügbarer Form transportieren.

    Entzündungshemmende Wirkung

    Viele Veganer konsumieren Omega-6-lastige Öle, die Entzündungen fördern können. Lactoferrin kann IL-6 senken und so den Hepcidin-Block lösen.

    Bessere Verträglichkeit

    Keine Magen-Darm-Beschwerden wie bei Eisensulfat – besonders relevant für Menschen mit empfindlicher Verdauung.

    Quellen & wissenschaftliche Studien

    The effects of vegetarian and vegan diets on iron status in adults: a systematic review and meta-analysis

    American Journal of Clinical Nutrition, 2018

    Iron and vegetarian diets

    Medical Journal of Australia, 2013

    Enhancers of iron absorption: ascorbic acid and other organic acids

    International Journal for Vitamin and Nutrition Research, 2004

    Inhibition of non-haem iron absorption in man by polyphenolic-containing beverages

    British Journal of Nutrition, 1999

    Phytic acid degradation as a means of improving iron absorption

    International Journal of Food Science & Technology, 2009

    Lactoferrin efficacy versus ferrous sulfate in curing iron deficiency and iron deficiency anemia in pregnant women

    BioMetals, 2010

    Alle verlinkten Studien sind auf PubMed frei zugänglich. Die dargestellten Informationen ersetzen keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung.

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