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Pflanzliche Ernährung liegt im Trend – doch sie kann den Eisenhaushalt vor besondere Herausforderungen stellen. Pflanzliches Eisen (Nicht-Häm-Eisen) wird deutlich schlechter aufgenommen als tierisches Häm-Eisen. Erfahren Sie, wie Sie Ihren Eisenbedarf auch ohne Fleisch decken können und wann eine Supplementierung sinnvoll sein kann.
Eisen kommt in der Nahrung in zwei Formen vor: als Häm-Eisen (in tierischen Produkten) und als Nicht-Häm-Eisen (in pflanzlichen Lebensmitteln). Der entscheidende Unterschied liegt in der Bioverfügbarkeit – also darin, wie viel Eisen der Körper tatsächlich aufnehmen kann.
| Eigenschaft | Häm-Eisen (tierisch) | Nicht-Häm-Eisen (pflanzlich) |
|---|---|---|
| Bioverfügbarkeit | 15–35 % | 2–20 % |
| Absorptionshemmer | Kaum beeinflusst | Stark beeinflusst |
| Vorkommen | Fleisch, Fisch, Geflügel | Hülsenfrüchte, Getreide, Gemüse |
| Anteil in veganer Ernährung | 0 % | 100 % |
Das bedeutet: Auch wenn Veganer auf dem Papier genug Eisen zu sich nehmen, kann die tatsächliche Aufnahme deutlich geringer sein. Die DGE empfiehlt daher für Vegetarier und Veganer eine um den Faktor 1,8 erhöhte Eisenzufuhr – also bis zu 27 mg/Tag statt 15 mg für Frauen.
Studienlage
Eine Metaanalyse von Haider et al. (2018) im American Journal of Clinical Nutrition zeigte, dass Vegetarier und Veganer signifikant niedrigere Ferritinwerte aufweisen als Mischköstler – im Durchschnitt 30–40 % niedriger. Besonders betroffen: prämenopausale Frauen mit veganer Ernährung.
Bei pflanzlichem Eisen ist nicht nur die Menge entscheidend, sondern vor allem, was Sie dazu essen. Bestimmte Stoffe können die Eisenaufnahme drastisch hemmen – oder vervielfachen.
In Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten, Nüssen und Samen. Können die Eisenaufnahme um bis zu 50–65 % reduzieren. Tipp: Einweichen, Keimen oder Fermentieren kann den Phytatgehalt deutlich senken.
In Kaffee, schwarzem/grünem Tee, Rotwein und Kakao. Eine Tasse Kaffee zur Mahlzeit kann die Eisenaufnahme um bis zu 60 % senken. Besser: 1–2 Stunden Abstand zur eisenreichen Mahlzeit.
In Milchprodukten und kalziumreichen Pflanzendrinks. Kalzium kann sowohl Häm- als auch Nicht-Häm-Eisen hemmen. Kalziumreiche Lebensmittel besser als Snack zwischen den Mahlzeiten konsumieren.
In Spinat, Mangold, Rhabarber und Amaranth. Obwohl Spinat viel Eisen enthält, ist die Aufnahme durch Oxalsäure stark eingeschränkt. Kochen und Abgießen des Kochwassers kann den Oxalatgehalt reduzieren.
Der stärkste natürliche Absorptionsbooster. Vitamin C kann Nicht-Häm-Eisen von der schlecht aufnehmbaren Fe³⁺-Form in die gut aufnehmbare Fe²⁺-Form umwandeln. Schon 50 mg Vitamin C (eine halbe Orange) können die Eisenaufnahme um das 3- bis 6-Fache steigern.
Knoblauch und Zwiebeln enthalten schwefelhaltige Verbindungen, die die Bioverfügbarkeit von Eisen und Zink aus Getreide verbessern können. Ideal: Knoblauch oder Zwiebeln in Linseneintöpfe und Getreidegerichte integrieren.
Sauerteigbrot, Tempeh, Miso und eingeweichte Hülsenfrüchte haben einen reduzierten Phytatgehalt. Fermentation kann die Eisenbioverfügbarkeit um bis zu 50 % verbessern.
Kochen in Gusseisenpfannen kann den Eisengehalt von Speisen tatsächlich erhöhen – besonders bei säurehaltigen Gerichten wie Tomatensauce. Studien zeigen eine Steigerung um bis zu 16 %.
Mit der richtigen Auswahl und Kombination können auch Veganer ihren Eisenbedarf weitgehend über die Ernährung decken. Entscheidend ist die Kombination mit Vitamin-C-reichen Lebensmitteln.
| Lebensmittel | Portion | Eisen | Zubereitungstipp |
|---|---|---|---|
| Kürbiskerne | 30 g | 2,5 mg | Als Topping auf Salat oder Müsli |
| Sesam (Tahin) | 30 g | 2,9 mg | In Hummus oder Dressings |
| Linsen (gekocht) | 200 g | 6,6 mg | Eintopf mit Paprika (Vitamin C) |
| Kichererbsen (gekocht) | 200 g | 4,8 mg | Hummus oder Curry mit Zitrone |
| Haferflocken | 80 g | 3,7 mg | Overnight Oats mit Beeren |
| Hirse (gekocht) | 200 g | 4,2 mg | Als Beilage oder Hirsebrei |
| Tofu (fest) | 150 g | 4,0 mg | Gebraten mit Brokkoli |
| Quinoa (gekocht) | 200 g | 2,8 mg | Salat mit Paprika und Petersilie |
| Cashewkerne | 30 g | 1,8 mg | Als Snack oder in Soßen |
| Getrocknete Aprikosen | 50 g | 1,8 mg | Snack oder im Müsli |
Praxistipp: Der „Eisen-Teller"
Ein optimaler „Eisen-Teller" für Veganer: Linseneintopf mit Knoblauch und Zwiebeln, dazu Paprikastreifen (Vitamin C) und ein Stück Sauerteigbrot (reduziertes Phytat). Kaffee oder Tee erst 1–2 Stunden nach dem Essen. So kann die Eisenaufnahme aus einer Mahlzeit um ein Vielfaches gesteigert werden.
Trotz optimaler Ernährung kann eine Supplementierung sinnvoll sein – insbesondere für vegane Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangere, Stillende oder bei nachgewiesenem Eisenmangel (Ferritin < 30 µg/l).
Aus Pflanzenextrakten gewonnen, z. B. aus Curryblatt (Murraya koenigii). Enthält Nicht-Häm-Eisen in natürlicher Matrix. Verträglicher als Eisensulfat, aber weiterhin abhängig von Absorptionsboostern und -hemmern.
Geeignet für: leichten Mangel, Prävention
Ein natürliches Glykoprotein aus Kuhmilch, das Eisen über körpereigene Rezeptoren (LfR) transportiert. Kann den Hepcidin-Block umgehen und wirkt entzündungshemmend. Bioverfügbarkeit unabhängig von Nahrungsbestandteilen.
Geeignet für: moderaten bis schweren Mangel, chronische Entzündungen
Hinweis: Lactoferrin ist ein Milchprotein und damit nicht vegan. Für strenge Veganer kann pflanzliches Eisen aus Curryblatt-Extrakt eine Alternative darstellen. Bei moderatem bis schwerem Mangel sollte die Entscheidung gemeinsam mit dem Arzt getroffen werden – die Gesundheit sollte Vorrang vor Ernährungsprinzipien haben.
Lactoferrin wird über eigene Rezeptoren aufgenommen – Phytate, Tannine und Oxalate haben keinen Einfluss auf die Eisenaufnahme.
Während pflanzliches Eisen Vitamin C zur Umwandlung benötigt, kann Lactoferrin Eisen direkt in bioverfügbarer Form transportieren.
Viele Veganer konsumieren Omega-6-lastige Öle, die Entzündungen fördern können. Lactoferrin kann IL-6 senken und so den Hepcidin-Block lösen.
Keine Magen-Darm-Beschwerden wie bei Eisensulfat – besonders relevant für Menschen mit empfindlicher Verdauung.
Alle verlinkten Studien sind auf PubMed frei zugänglich. Die dargestellten Informationen ersetzen keine ärztliche oder ernährungstherapeutische Beratung.