Ausführliche Beschreibung
Der Aderlass (lateinisch Phlebotomia) ist eine der ältesten medizinischen Behandlungen und hat heute vor allem bei der erblichen Eisenüberladung – der Hämochromatose – eine wissenschaftlich gut belegte Bedeutung. Bei einem Aderlass werden je nach Indikation typischerweise 400 bis 500 Milliliter Blut über eine Vene am Arm entnommen. Da rote Blutkörperchen ungefähr ein Viertel des Körpereisens enthalten, sinken Ferritin- und Transferrinsättigungswerte mit jedem Termin messbar. Der Körper bildet anschließend neue Erythrozyten und greift dafür auf die Eisenspeicher in Leber, Milz und Knochenmark zurück. Diese kontrollierte Entleerung verhindert Folgeschäden wie Leberzirrhose, Diabetes mellitus, Herzschwäche, Gelenkentzündungen und endokrine Störungen, die bei langfristiger Eisenüberladung drohen. In der Initialphase wird häufig wöchentlich oder zweiwöchentlich behandelt, bis ein Ferritinwert um 50 µg/l erreicht ist; in der Erhaltungsphase reichen meist drei bis sechs Aderlässe pro Jahr. Patientinnen und Patienten mit Polyzythämie oder Porphyria cutanea tarda profitieren ebenfalls von der Methode. Wichtig sind eine ausreichende Trinkmenge vor dem Termin, eine eisenarme Ernährung mit Verzicht auf Vitamin C zu eisenreichen Mahlzeiten sowie eine engmaschige Laborkontrolle. Im Gegensatz zu chemischen Eisenchelatoren ist der Aderlass nebenwirkungsarm, kostengünstig und wird in vielen Apotheken in Kooperation mit Hausärzten begleitet. Lactoferrin spielt in diesem Kontext indirekt eine Rolle: Da es freies Eisen bindet und dadurch oxidative Belastung mindert, wird es in der Forschung als ergänzende Maßnahme zur Pufferung labiler Eisenpools diskutiert. Für eine medikamentöse Therapie ersetzt es den Aderlass aber nicht. Wer einen positiven HFE-Gentest hat oder dauerhaft erhöhte Transferrinsättigung aufweist, sollte die Indikation gemeinsam mit einem internistischen Schwerpunkt klären lassen.
Häufige Ursachen
- Hereditäre Hämochromatose
- Polyzythämia vera
- Porphyria cutanea tarda
- sekundäre Eisenüberladung nach Transfusionen
Behandlungsmöglichkeiten
- Initialphase mit wöchentlichen Aderlässen
- Erhaltungstherapie alle 2–3 Monate
- Begleitende eisenarme Ernährung
- Regelmäßige Ferritinkontrolle
Verwandte Begriffe
Weitere Informationen
Dieser Glossar-Eintrag ist Teil des Eisenmangel-Glossars Ihrer Apotheke. Weitere fundierte Informationen rund um Eisenmangel, Ferritin und Lactoferrin finden Sie auf eisenmangel.eu.