Ausführliche Beschreibung
Eisenüberladung beschreibt eine pathologische Anhäufung von Eisen in Geweben, vor allem in Leber, Herz, Bauchspeicheldrüse, Haut und Gelenken. Da der Körper kein aktives Ausscheidungssystem für Eisen besitzt, kann jede dauerhaft gesteigerte Aufnahme oder Zufuhr zur Überladung führen. Häufigste Ursache ist die hereditäre Hämochromatose, bei der Mutationen im HFE-Gen die Hepcidin-Regulation stören und die Eisenaufnahme im Darm erhöhen. Sekundäre Eisenüberladung tritt nach wiederholten Bluttransfusionen, bei chronischer Hämolyse, ineffektiver Erythropoese (z. B. Thalassämie) oder durch unkontrollierte Eiseneinnahme über Jahre auf. Klinisch manifestiert sich die Erkrankung schleichend mit Müdigkeit, Gelenkbeschwerden – typisch ist der „eiserne Händedruck“ mit Schmerzen in den Fingergrundgelenken zwei und drei –, Libidoverlust, Hyperpigmentierung der Haut, Leberzirrhose, Diabetes mellitus, Kardiomyopathie und Hypogonadismus. Diagnostisch wegweisend sind Ferritin (oft >1.000 µg/l), Transferrinsättigung (>45 %) sowie eine genetische Untersuchung des HFE-Gens. Bildgebend kann die Eisenkonzentration in Leber und Herz mit MRT (T2*-Sequenzen) quantifiziert werden. Therapeutische Standardmaßnahme ist der Aderlass, ergänzt durch eine eisenarme Ernährung, Verzicht auf Vitamin-C-reiche Getränke zu eisenhaltigen Mahlzeiten und Alkoholabstinenz zum Schutz der Leber. Bei Patienten, die Aderlässe nicht vertragen, kommen Eisenchelatoren wie Deferasirox zum Einsatz. Lactoferrin wird in der Forschung als ergänzende Maßnahme diskutiert, weil es freies, schädliches Eisen binden und so oxidativen Stress reduzieren kann; eine kausale Therapie der Hämochromatose ersetzt es jedoch nicht. Wer in der Familie Fälle von Hämochromatose hat oder dauerhaft erhöhte Ferritinwerte aufweist, sollte eine internistische Abklärung anstreben, um irreversible Organschäden zu verhindern.
Typische Symptome
- Müdigkeit
- Gelenkschmerzen
- dunkle Hautpigmentierung
- Diabetes
- Leberbeschwerden
- Herzrhythmusstörungen
- Libidoverlust
Häufige Ursachen
- Hereditäre Hämochromatose
- wiederholte Bluttransfusionen
- Thalassämie
- exzessive Eisensupplementierung
Behandlungsmöglichkeiten
- Regelmäßige Aderlässe
- Eisenchelatoren
- eisenarme Ernährung
- Alkoholverzicht
- regelmäßige MRT- und Laborkontrollen
Verwandte Begriffe
Weitere Informationen
Dieser Glossar-Eintrag ist Teil des Eisenmangel-Glossars Ihrer Apotheke. Weitere fundierte Informationen rund um Eisenmangel, Ferritin und Lactoferrin finden Sie auf eisenmangel.eu.