Ausführliche Beschreibung
Anämie bezeichnet einen Zustand, in dem entweder die Konzentration des sauerstofftragenden Hämoglobins, die Anzahl der Erythrozyten oder der Hämatokrit unter alters- und geschlechtsspezifische Referenzwerte fällt. Die Weltgesundheitsorganisation definiert eine Anämie bei Frauen ab einem Hämoglobinwert unter 12 g/dl und bei Männern unter 13 g/dl. Klinisch fallen Betroffene durch Blässe, Kurzatmigkeit unter Belastung, Herzklopfen, Konzentrationsprobleme, kalte Extremitäten und ausgeprägte Erschöpfung auf. Pathophysiologisch unterscheidet man drei große Gruppen: Bildungsstörungen wie die Eisenmangelanämie, die Vitamin-B12- oder Folsäuremangelanämie und die renale Anämie; gesteigerten Abbau, etwa bei hämolytischen Anämien; sowie Verlustanämien nach akuten oder chronischen Blutungen. Mit Abstand am häufigsten ist die Eisenmangelanämie, die meist Frauen im gebärfähigen Alter, Schwangere, Veganerinnen, Leistungssportlerinnen und Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen betrifft. Diagnostisch sind Hämoglobin, Hämatokrit, MCV, MCH, Ferritin, Transferrinsättigung, Retikulozyten und CRP wegweisend. Eine isolierte Bestimmung des Hämoglobins reicht nicht aus, da die Eisenspeicher schon Monate vor einem Hb-Abfall leerlaufen. Therapeutisch steht zunächst die Beseitigung der Ursache im Vordergrund – etwa eine Magen- oder Darmspiegelung bei chronischen Blutverlusten. Anschließend erfolgt die Substitution mit oralen Eisenpräparaten, Lactoferrin als gut verträglicher Eisenträger oder, bei schwerer Anämie und Unverträglichkeit, mit intravenösen Eiseninfusionen. Lactoferrin gilt aktuell als interessante Option, weil es Eisen schonend in den Stoffwechsel einschleust und gleichzeitig entzündungsbedingte Hepcidin-Spiegel günstig moduliert, was die Aufnahme aus der Nahrung verbessern kann. Unbehandelte Anämien erhöhen das Risiko für Stürze, Infektionen, Herzinsuffizienz und postoperative Komplikationen und sollten daher konsequent abgeklärt und kontrolliert werden.
Typische Symptome
- Blässe
- Atemnot bei Belastung
- Tachykardie
- Müdigkeit
- Konzentrationsstörungen
- kalte Hände und Füße
Häufige Ursachen
- Eisenmangel
- Vitamin-B12- oder Folsäuremangel
- chronische Erkrankungen
- Blutungen
- Hämolyse
- Knochenmarkserkrankungen
Behandlungsmöglichkeiten
- Ursachenabklärung
- orale Eisenpräparate oder Lactoferrin
- Vitamin B12 / Folsäure
- intravenöse Eisengabe
- Bluttransfusion bei lebensbedrohlichen Werten
Verwandte Begriffe
Weitere Informationen
Dieser Glossar-Eintrag ist Teil des Eisenmangel-Glossars Ihrer Apotheke. Weitere fundierte Informationen rund um Eisenmangel, Ferritin und Lactoferrin finden Sie auf eisenmangel.eu.