Ausführliche Beschreibung
Hämosiderin ist neben Ferritin die zweite Speicherform von Eisen im Körper. Während Ferritin wasserlöslich ist und das Eisen schnell mobilisierbar bereithält, entsteht Hämosiderin durch teilweise Denaturierung und Aggregation von Ferritin. Es bildet bräunliche, lichtmikroskopisch sichtbare Granula vor allem in Makrophagen von Leber, Milz und Knochenmark. Geringe Mengen Hämosiderin sind physiologisch und stellen eine Langzeitreserve dar; das darin gebundene Eisen ist jedoch nur langsam verfügbar. Klinisch relevant wird Hämosiderin, wenn der Körper über längere Zeit zu viel Eisen aufnimmt oder freigesetzt bekommt – etwa bei hereditärer Hämochromatose, nach wiederholten Bluttransfusionen, bei chronischer Hämolyse oder als Folge unsachgemäßer Eisensupplementierung. Diese Hämosiderose kann lokal (z. B. in der Lunge nach wiederholten Blutungen, in der Haut nach Hämatomen) oder systemisch auftreten und zu Organschäden führen. Mit der Berliner-Blau-Reaktion lässt sich Hämosiderin im Gewebe sichtbar machen; nichtinvasiv kann die Leber-MRT mit T2*-Sequenz die Eisenbeladung quantifizieren. Therapeutisch stehen bei pathologischer Eisenüberladung Aderlässe, Eisenchelatoren wie Deferasirox und eine eisenarme Ernährung im Vordergrund. In der Forschung wird untersucht, ob Lactoferrin durch seine Bindung freier, labiler Eisenpools die oxidative Belastung in Geweben mit hoher Hämosiderin-Beladung mildern kann – eine vielversprechende, aber noch nicht abschließend belegte Indikation. Patientinnen und Patienten mit erhöhten Ferritinwerten sollten gezielt abgeklärt werden, ob es sich um eine reine Entzündungsreaktion oder eine echte Eisenüberladung mit Hämosiderinanstieg handelt. Die Apotheke unterstützt bei der Auswahl geeigneter Präparate, beim Monitoring und bei der Aufklärung über eisenfreundliches versus eisenreduziertes Essverhalten.
Typische Symptome
- Lokal: bräunliche Hautverfärbungen
- systemisch: Organschäden bei jahrelanger Überladung
Häufige Ursachen
- Hämochromatose
- wiederholte Transfusionen
- chronische Hämolyse
- lokale Einblutungen
Behandlungsmöglichkeiten
- Aderlass
- Eisenchelatoren
- eisenarme Kost
- MRT-basiertes Monitoring
Verwandte Begriffe
Weitere Informationen
Dieser Glossar-Eintrag ist Teil des Eisenmangel-Glossars Ihrer Apotheke. Weitere fundierte Informationen rund um Eisenmangel, Ferritin und Lactoferrin finden Sie auf eisenmangel.eu.